Home  |  Sponsoren  |  Presse  |  Kontakt  |  Impressum
Donnerstag, 19. Oktober 2017
365-Entdeckungen Startseite
Sammlungen DMM

Entdeckung Nr.121

Wie die Romantiker schummelten

Immer wieder erreichen das Deutsche Meeresmuseum freundliche Bitten um Auskunft und fachliche Hilfe. Die Bearbeitung solcher Anfragen ist ein wichtiger Bestandteil der Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit, die zum Museumsauftrag gehören. So wandte sich beispielsweise eine Kunststudentin an den Kurator für Fischerei. Es ging um das Bild von Caspar David Friedrich „Greifswald im Mondschein“ aus der norwegischen Nationalgalerie in Oslo. Sie wollte wissen, ob es mit den Fischernetzen auf dem Motiv seine Richtigkeit hat. Zu sehen sind auf dem Gemälde hoch aufgehängte Fischernetze im Wasser vor dem Panorama der alten Universitätsstadt.

 

C.D. Friedrich gehört zu den bekanntesten romantischen Malern. Diesen war die Symbolkraft und Stimmung ihrer Motive oftmals wichtiger als ein originalgetreues Abbild der Wirklichkeit. So auch bei seinem Bild von 1816/17. Die dargestellten Netze geben dem stimmungsvollen Sonnenuntergang eine charakteristische maritime Note. Aus Sicht der Fischereipraxis macht diese Konstellation aber wenig Sinn.

 

Und das erklärt sich so: Der im Bild sichtbare Aufbau zeigt eine typische Vorrichtung zum Trocknen von Netzen, die an Land üblich war. Jedoch niemals im Wasser. Hätte der Maler die Netze im Wasser wirklich so gesehen, könnte dies theoretisch zum Schutz vor Verlust und Beschädigung bei stürmischem Wetter oder Eisgang geschehen sein. Eine derartige Situation ist auf dem Bild aber nicht erkennbar und ein derartiges Vorgehen unter den Fischern auch nicht gebräuchlich. Ebenso wenig passen Anzahl und Anordnung der Reusenpfähle zu den gängigen Fangnetzen der Küstenfischerei. Die dargestellte Kombination entspricht weder einer Kammerreuse noch einem Stellnetz.            

 

Das Fazit des Experten lautet also: Der Maler hat auf dem Bild kunstvoll unterschiedliche Ansichten zu Wasser und Land zusammengefügt, die in Wirklichkeit so nicht vorkommen.


Diese Entdeckung finden Sie in den SAMMLUNGEN DMMZur Webseite >>

Bilder zum Vergrößern anklicken!