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Dienstag, 12. Dezember 2017
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Meeresmuseum

Entdeckung Nr.86

Seeigel im Rausch

Seeigel sind wegen ihrer Form, Farbe und Stachel sehr bizarr wirkende Meereslebewesen. Im unteren Teil ihres Körpers befinden sich zahllose kleine Füßchen, die sogenannten Ambulakralfüßchen. Diese ermöglichen es ihnen, sich an jeder Oberfläche festzuheften: auch senkrechte Wände oder Überhänge können auf der Suche nach Nahrung im wahrsten Sinne des Wortes „abgegrast“ werden.

 

Seeigel, die sich statt an Felsen auch schon mal an die Betonrückwand des Aquariums heften, sind keine Seltenheit. Etwas ungewöhnlicher hingegen ist es, wenn sich nach und nach immer mehr Seeigel dazugesellen. Aber, dass die Beckenrückwand komplett mit Seeigeln behaftet ist, ist ebenso außergewöhnlich wie rätselhaft. Genau dieses unerklärliche Schauspiel bot sich den Mitarbeitern des MEERESMUSEUMs Mitte der 80er Jahre.

 

Obwohl die Seeigel jeden Abend aufs Neue von der Wand entfernt und im Becken verteilt wurden, hafteten sie jeden Morgen erneut an ihr. Die hartnäckigen Stachelhäuter nahmen jede Nacht den beschwerlichen Weg von 5 Metern über Felsen und Steine auf sich, nur um genau diese Wand zu erreichen. Aber warum?

 

Bei der medizinischen Untersuchung eines verendeten Seeigels stellte sich heraus, dass dieser an einer Alkoholvergiftung gestorben war. Ursache war die alkoholhaltige Kunstharzschicht, die sich damals noch auf den Beckenrückwänden der Aquarien befand. Die Seeigel fraßen also nicht nur den organischen Bewuchs von der Wand, sondern nahmen bei jedem Bissen unweigerlich auch Alkohol zu sich, was dazu führte, dass die kleinen Stachelhäuter in einen rauschähnlichen Zustand verfielen, der sie nach und nach alkoholabhängig machte. Alle Seeigel, die nach der Diagnose noch kein Suchtverhalten zeigten, wurden unverzüglich in andere Aquarien umgesiedelt.


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