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Samstag, 21. Oktober 2017
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Entdeckung der Woche: Entdeckung Nr. 73

Dr. Götz-Bodo Reinicke (Wissenschaftlicher Leiter Deutsches Meeresmuseum)

Die Gestalten von vielen Meerestieren wirken im Wasser schwebend "zart, wässrig, gläsern durchsichtig". Und die Staatsquallen der Tiefsee entzünden, fern von jedem Sonnenstrahl, ein wahres Feuerwerk an Licht und Farbenspielen. Angeregt von alten Glasexponaten der Künstler Rudolf und Leopold Blaschka wurde ich neugierig, als ein Fernsehbeitrag über Susan Liebolds Arbeiten aus fluoreszierenden Gläsern berichtete. Beeindruckt von der filigranen Handwerkskunst und dem geheimnisvollen Leuchten des Glases wagten wir, gemeinsam ein Schaumodell nach der Natur für die Ausstellung im OZEANEUM aus gerade diesem Material zu erarbeiten. Die zwei Meter lange Staatsqualle von Frau Liebold  hat dabei alle unsere Erwartungen übertroffen und ist meines Wissens weltweit einmalig.

Tiefseeräuber aus Leuchtglas

Schon seit 2007 entwickelt das auf Glaschemie und Leuchtgläser spezialisierte Otto-Schott-Institut der Friedrich-Schiller-Universität in Jena fluoreszierende Gläser für die Designerin und Glaskünstlerin Susan Liebold. Das Glas wird dabei mit verschiedenen Metallen der Seltenen Erden versetzt, um eine langlebige Fluoreszenz und Farbigkeit zu erreichen, wie sie bisher nur aus der Tierwelt bekannt war. Nun arbeitete die Künstlerin aus Thüringen erstmals nach einer Naturvorlage und fertigte für das OZEANEUM eine Staatsqualle teils aus Glas, das mit UV-Licht zum Leuchten angeregt wird.

 

Die feingliedrigen Staatsquallen lassen sich kaum in einem Stück aus dem Meer entnehmen. Entsprechend schwierig gestaltete sich die Suche nach Anschauungsmaterial. Gelangen die gallertartigen Körper der Tiere in Fischernetzen an die Oberfläche, bleiben von den anmutig treibenden Geschöpfen nur unansehnliche Klumpen und Fetzen zurück. Als Vorlage standen nur zwei wenige Zentimeter lange konservierte Kolonien zur Verfügung. Bereits in diesem frühen Entwicklungsstadium sind die Organe der Tiere ausgeprägt und so war das Präparat neben einigen historischen Zeichnungen und neuesten Tiefseefotos die wichtigste Vorlage. Die Schwimmglocken waren handwerklich am schwierigsten zu fertigen. Dazu kamen männliche und weibliche Geschlechtsorgane sowie Speicherpolypen, die sich um einen Strang winden und von hauchdünnen, aber robusten Deckblättchen geschützt sind. Die leuchtenden Tentillen locken kleine Fische oder Kalmare an, die von Nesselzellen betäubt und dann von den Fangfäden an die Fresspolypen weitergereicht werden. 

 

Für den Transport des Modells war höchste Vorsicht gefordert. Das Modell aus insgesamt etwa 2.600 mit Fäden verbundenen filigranen Glasteilen wiegt 12 Kilogramm, und wurde weitgehend montiert und frei hängend im Kofferraum eines Autos nach Stralsund gebracht. Nun begrüßt es die Besucher zum Rundgang im OZEANEUM. (Fotos: © Ronny Koch)

Diese Entdeckung finden Sie im OZEANEUMZur Webseite >>

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